Vier deutsche Blätter, jede Woche dieselbe Auslage — und vier ganz verschiedene Welten. Was hoben Spiegel, Focus, Die Zeit und Welt am Sonntag aufs Cover bzw. auf die Titelseite? KW01 bis KW24 nebeneinander, nur die Schlagzeilen. Der Kontrast wird sichtbar, ganz ohne Wertung. Wir werten nicht, wir zeigen.
Vier Blätter, vier Temperamente: Der Spiegel macht fast durchweg Politik & Gesellschaft („Was bewegt die Welt?"). Der Focus macht in rund 16 von 24 Wochen Nutzwert — Geld, Gesundheit, Reise, Selbsthilfe („Mehr Meer!", „Bin ich zu dick?"; „Was nützt mir?"). Die Zeit ist die Sinn- und Kultur-Brille — sie stellt existenzielle Fragen („Wie findet mich das Glück?", „Werde ich noch gebraucht?", „Was ist heute ein gebildeter Mensch?"). Die Welt am Sonntag ist das bürgerliche Sonntags-Panorama — mal Politik (AfD, Nato), mal Geld (Steuern, Renten), mal Kultur (ESC, Krimis); als einzige Zeitung im Bunde trägt sie am ehesten die harte Nachricht der Woche auf die Titelseite.
Drei Erscheinungstage, ein Effekt: Die Zeit kommt donnerstags, Spiegel und Focus freitags, die Welt am Sonntag sonntags. Der Iran-Krieg brach an einem Samstag aus (28. Februar). Die drei Blätter, die da längst gedruckt waren (KW09: Zeit „Social Media verbieten?", Spiegel „Tödliche Intelligenz", Focus „Inside AfD"), blieben blind — allein die Welt am Sonntag, als Letzte am Kiosk, titelte „Der große Krieg?". So wandert der rote Iran-Punkt durch die Spalten: erst der Sonntag, eine Woche später die Magazin-Welle (KW10) — und bei der WaS noch einmal zurück (KW12: „Was, wenn dieser Krieg sich ewig zieht?"). Genau der Daily-vs-Weekly-Rhythmus aus der Häufigkeitskurve — hier in den Titeln selbst.
Trump als Klammer: Das Jahr beginnt mit drei Trump-Titeln in Folge (Nr.3 „Alles meins!", Nr.4 „Gefährlich abhängig", Nr.5 „Donald, es reicht!") — und kehrt zuletzt noch einmal zu ihm zurück (Nr.24 „Spielverderber"). Dazwischen taucht er als Iran-Kriegsherr auf (Nr.11 „Der Wutkrieger").
Die Iran-Welle: Der Krieg erreicht den Spiegel-Titel drei Wochen am Stück (Nr.11–14: „Der Wutkrieger" → „Nie mehr sicher?" → „Was kostet uns Trumps Krieg?") — und verschwindet danach als Titelthema. Ende Mai kehrt der Krieg nur noch indirekt aufs Cover zurück: als Reisepreis-Sorge (Nr.22 „Fällt der Urlaub aus?"). Genau der Bogen, den die Iran-Häufigkeitskurve zeigt.
KI als Dauergast: kommt dreimal aufs Cover (Nr.10 „Tödliche Intelligenz", Nr.17 „Macht die KI uns dumm?", Nr.25 „Die neue Arbeitswelt") — vom Bedrohungs- über den Kultur- zum Arbeitswelt-Frame. In KW24 heben Spiegel und Focus am selben Freitag (12.6.) beide KI auf den Titel — in der Woche, in der die USA Ziele an der Straße von Hormus angreifen.
Ein Thema, drei Brillen: Die neu zugängliche NSDAP-Mitgliederkartei taucht binnen weniger Wochen in drei Spalten auf — Die Zeit fragt „Und was war in meiner Familie?" (KW15), die Welt am Sonntag titelt „Opa, der Nazi" (KW18), der Spiegel „Ist Ihr Opa dabei?" (KW20). Dieselbe Recherche-Lage, drei Tonlagen: persönlich-suchend, zugespitzt, fragend-konfrontativ.
Cover verkauft, Inhalt benennt: Innen trägt dieselbe Titelgeschichte oft einen anderen, pointierteren Namen — „Der Wutkrieger" wird zu „Der Kriegsmacher", „Ist Ihr Opa dabei?" zu „War Opa Nazi?", „Spielverderber" zu „Ballahalla". (Diese heft-internen Titel sind in den Daten erfasst.)
Der Punkt zeigt das Thema. Gleiche Farbe in mehreren Spalten heißt: die Blätter wählten dieselbe Lage. Am deutlichsten in KW10 (Spiegel, Focus & Zeit alle auf dem Iran-Krieg) — und gut sichtbar, wie der rote Punkt von Woche zu Woche durch die Spalten wandert.
Spiegel (Nr. 1–25) und Focus = Magazin-Cover; Die Zeit und Welt am Sonntag = der Aufmacher der Titelseite (Zeitungen haben keinen einen Cover-Titel wie ein Magazin). Die großen Schlagzeilen sind direkt von den gedruckten Titeln übernommen, die Unterzeilen von Zeit und Welt am Sonntag wörtlich aus dem Text der Titelseite. Jedes Blatt ist der gleichen Woche über sein Erscheinungsdatum zugeordnet; die Themen-Farbe ist eine grobe Sortierhilfe, kein Urteil. Nur Schlagzeilen-Text + eigene Auswertung (§ 51 UrhG), keine Cover-Bilder.