Der Iran-Krieg 2026 fiel nicht vom Himmel. Er hat ein über hundertjähriges Vorspiel — und fast immer ging es um dasselbe.
Wer die Schlagzeilen von heute versteht, aber nicht ihren Anfang, versteht die halbe Geschichte. Hier die Chronologie von 1907 bis heute — Station für Station, mit Quelle zum Selbstprüfen. Wir werten nicht, wir zeigen; den Schluss ziehen Sie.
Großbritannien und Russland teilen Persien in Einflusszonen auf (Anglo-Russische Konvention). Über das Land wird verhandelt, nicht mit ihm.
Quelle: Anglo-Russische Konvention 1907 (Britannica)In Masdsched Soleyman wird Öl gefunden. Die spätere Anglo-Persian Oil Company (heute BP) sichert sich die Förderung — Irans Öl, britischer Profit. Das ist der Grundkonflikt, der hundert Jahre nachwirkt.
Quelle: Anglo-Persian Oil CompanyPersien erklärt sich neutral und wird dennoch von britischen, russischen und osmanischen Truppen besetzt. Eine verheerende Hungersnot folgt. Die Lehre vieler Iraner: Mit uns machen die Großmächte, was sie wollen.
Quelle: Persische Hungersnot 1917–1919Briten und Franzosen ordnen die arabische Welt neu (Sykes-Picot 1916, Völkerbundmandate ab 1920): Irak, Kuwait und die Golfstaaten entstehen teils künstlich. Iran selbst bleibt erhalten — bekommt aber den am Reißbrett gezogenen Nachbarn Irak, samt späterem Grenzstreit am Schatt al-Arab.
Quelle: Sykes-Picot-AbkommenReza Khan putscht sich an die Macht und gründet die Pahlavi-Dynastie. Modernisierung von oben — und autoritär.
Quelle: Reza Schah PahlaviIm Zweiten Weltkrieg besetzen Briten und Sowjets Iran, erzwingen die Abdankung Reza Schahs und setzen seinen Sohn ein: Mohammad Reza Schah — „den Schah".
Quelle: Anglo-sowjetische Invasion des IranDer demokratisch gewählte Premier Mohammad Mossadegh verstaatlicht das Öl — es soll Iran gehören, nicht den Briten. 1953 stürzen ihn der US-Geheimdienst CIA (Operation Ajax) und der britische MI6; der Schah erhält die Alleinmacht. Die USA haben ihre Rolle 2013 offiziell eingeräumt. Hier zerbricht das Vertrauen.
Quelle: National Security Archive: CIA bestätigt Rolle beim Putsch 1953Westlich gestützt regiert der Schah autoritär; der gefürchtete Geheimdienst SAVAK verfolgt Oppositionelle. Modernisierung ja — aber Unfreiheit und Ungleichheit lassen den Widerstand wachsen.
Quelle: Mohammad Reza PahlaviDer Schah wird gestürzt, Ayatollah Khomeini ruft die Islamische Republik aus. Aus dem engsten Verbündeten des Westens wird über Nacht sein Gegner. Die Besetzung der US-Botschaft (444 Tage Geiselnahme) macht die Feindschaft mit den USA — und mit Israel — dauerhaft.
Quelle: Islamische RevolutionSaddam Husseins Irak greift an — auch um den Grenzfluss Schatt al-Arab —, gestützt vom Westen und den Golfstaaten gegen Iran. Hunderttausende Tote. Es verfestigt Irans Gefühl, allein gegen alle zu stehen.
Quelle: Erster Golfkrieg (Iran-Irak)2002 zählt US-Präsident Bush Iran zur „Achse des Bösen". 2015 begrenzt Iran sein Atomprogramm im Abkommen (JCPOA) gegen Sanktionsabbau — 2018 steigen die USA unter Trump wieder aus, 2020 töten sie General Soleimani. Eskalation in Etappen.
Quelle: Atomabkommen (JCPOA)Die Eskalation, die das Hauptdossier dokumentiert — wie sechs bis neun Zeitungen aus drei Ländern sie rahmten und prognostizierten, und wie es wirklich kam.
→ Zum Dossier: Der Iran-Krieg 2026 — wer lag richtig?Eine Frage zum Schluss — kein Urteil: Über hundert Jahre dreht sich fast jede Eskalation um dieselben Dinge — Öl, Zugang, Einfluss und die Folgen fremder Eingriffe. Wer dieses Vorspiel kennt, liest eine Schlagzeile über die „Straße von Hormus" anders als jemand, der die Geschichte erst 2026 beginnen lässt. Wir zeigen, woher es kommt. Den Schluss ziehen Sie.